Artikelformat

Nach vorn bewegen, zurück schauen

Rudergesellschaft Germania übergab ihr historisches Archiv der Stadt

Kiel. Ruderer, so sagt man, sind besondere Leute: Auf dem Wasser bewegen sie sich nach vorn – und schauen dabei zurück. So hält es offenbar auch der zweitälteste Kieler Ruderclub: Aus Anlass ihres 130-jährigen Bestehens übergab die Rudergesellschaft Germania nun ihr historisches Archiv der Stadt. Nicht, um sich von einer Last zu befreien, wie der Germania-Ehrenvorsitzende Hartwich Lange betonte, sondern um die historischen Schätze für die Zukunft zu sichern.

Fast 20 Kisten voll mit bis zu 100 Jahre alten Protokollbüchern, Ordnern, Vereinszeitungen, Festschriften, Fotoalben oder Fahrtenbüchern der Rudervereins wandern nun ins Stadtarchiv, wo sie fein säuberlich sortiert und vor Schäden bewahrt werden. „Ein solche fachgerechte Konservierung der Dokumente könnten wir als Verein gar nicht leisten“, erklärte Hartwich Lange bei der Unterzeichnung des Übergabevertrages.

Vor allem die Fotos gehören für den Stadtarchivar Johannes Rosenplänter zu den besonders wertvollen aber auch besonders gefährdeten Zeitdokumenten, die Aufschluss über Struktur und Wandel des Vereins und damit auch der Stadt geben. Im Laufe der Zeit setzten Staub, Licht und Zerfallsprozesse den teilweise schon stark verblichenen Bildern zu, die im Stadtarchiv nun so gut es noch geht konserviert werden.

Aber die Schriften lassen die Vergangenheit noch einmal lebendig werden. Zum Beispiel ein Buch, das im Zeitraum von 1925 bis 1938 Aufschluss über die Finanzierung des damals neuen Vereinsheims gibt. „Das geschah durch Anleihen bei den Vereinsmitgliedern“, erläuterte Rosenplänter. Doch die in dem Buch verzeichneten Rückzahlungen wurden im Laufe der Jahre immer kleiner. „Viele dürften aufgrund der Wirtschaftskrise gar kein Geld mehr zurückbekommen haben.“

Weil solche Fakten auch manche Wissenschaftler interessieren dürften, soll ihnen die Sammlung für ihre Arbeit auch zugänglich gemacht werden, kündigte Stadtarchiv- Leiterin Doris Tillmann an: „Es geht uns nicht nur ums Verwahren der Dokumente, sondern auch um die damit mögliche Aufarbeitung der Kieler Stadtgeschichte. Und dazu gehören ganz entscheidend die Kieler Traditionsvereine.“ Besonders erfreulich sei nicht nur der große Umfang der Ruderclub-Archivs, sondern auch die bereits vom Verein geleistete Vorarbeit einer systematischen Ordnung ihrer Dokumente: Doris Tillmann: „Das ist wirklich nicht selbstverständlich und verdient großes Lob und Anerkennung.“ küp

Quelle: Kieler Nachrichten, 7. Juni 2012

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.