Monat: April 2013

Rudern nur mit Rettungsweste?

Nach dem tödlichen Unfall eines 13-Jährigen auf der Alster rücken Sicherheitsbestimmungen in den Brennpunkt

Kiel. Nach dem Unfalltod eines 13-jährigen Ruderers auf der Hamburger Außenalster wird der Ruf nach einer generellen Rettungswestenpflicht für den Rudersport laut. Erst vor wenigen Tagen hatte das Bildungsministerium des Landes einen neuen Erlass für den Sportunterricht verschickt. Der Ruderverband Schleswig-Holstein spricht von einem komplexen Thema und rechnet bundesweit mit neuen Sicherheitsbestimmungen.

David Kerscher vom Ersten Kieler Ruder-Club geht bei sechs Grad Wassertemperatur auf Nummer sicher. Bei seinem gestrigen Training auf der Förde trug er eine Rettungsweste. Foto: Peter
David Kerscher vom Ersten Kieler Ruder-Club geht bei sechs Grad Wassertemperatur auf Nummer sicher. Bei seinem gestrigen Training auf der Förde trug er eine Rettungsweste. Foto: Peter
Für die Rettungsschwimmer der DLRG steht fest: „Grundsätzlich raten wir jedem Wassersportler – ob Schwimmer oder Nichtschwimmer –, eine Rettungsweste zu tragen“, sagt DLRG-Landesgeschäftsführer Thies Wolfhagen. Dies betreffe neben Seglern auch die Ruderer. Wichtig sei dabei, dass die Rettungswesten „ohnmachtssicher“ sind, den Kopf eines Ohnmächtigen im Unglücksfall also über Wasser halten.

In Hamburg war vor knapp zwei Wochen ein Jugendlicher tödlich verunglückt, als er mit seinem Einmann-Ruderboot gekentert war und versucht haben soll, ans etwa 250 Meter entfernte Ufer zu schwimmen. Er trug keine Rettungsweste, seine Leiche wurde erst am vergangenen Wochenende entdeckt und geborgen.

„Ein Unfall mit solch schrecklichen Folgen wird sicher zu Veränderungen führen“, sagt Reinhart Grahn, Vorsitzender des Ruderverbands Schleswig-Holstein und Präsidiumsmitglied des Bundesverbandes. Seinen Angaben zufolge sind die Vereine bundesweit derzeit mitten in einer Diskussion über bessere Sicherheitsvorkehrungen auf dem Wasser. Bis zum kommenden Jahr sollen neue Richtlinien insbesondere für jugendliche Ruderer verabschiedet werden. „Etwas mehr Rettungsweste wird sicher kommen“, kündigt Grahn an. Derzeit obliege es den Vereinen, ob sie von ihren jungen Sportlern fordern, eine Rettungsweste zu tragen. Die Weste sei beim Training neben einem Rettungsboot in Sichtweite und dem Nachweis guter Schwimmfähigkeiten der jungen Sportler „nur ein Baustein im Sicherheitskonzept“, sagt Grahn. Entscheidender als eine generelle Rettungswestenpflicht seien die Bedingungen in den jeweiligen Revieren. Wassertemperatur, Wind, Strömungen oder natürliche Hindernisse im Wasser sollten von den jeweiligen Vereinen zum Beispiel im Internet veröffentlicht werden, damit sich ortsfremde Ruderer über die Gefahren informieren können.

Für die Ruderer seien Rettungswesten beim Sport eine Behinderung. „Dadurch, dass wir mit unseren Daumen immer dicht am Körper sind, sind zum Beispiel die Gurte der Westen eine Gefahr“, sagt Grahn. Wiederholt sei es in den vergangenen Jahren bundesweit zu Unfällen gekommen, nach denen sich Ruderer in ihren Westen verhakt hatten. Auch die automatischen Rettungswesten, die sich bei Kontakt mit Wasser selbst aufblasen, hätten ihre Tücken. So gebe es Berichte, wonach solche Westen Ruderer in ihren Booten eingepresst haben, so Grahn. Aber: Die Hersteller machen Fortschritte. So gebe es mittlerweile Rettungswesten, die fast ohne Gurte auskommen. Denkbar seien in einigen Jahren Modelle, die ähnlich wie Leibchen, flach am Körper getragen werden könnten.

Das Kieler Bildungsministerium will im Bereich des Schulsports, der Ruder-AGs sowie bei Klassenausflügen auf Nummer sicher gehen. Erst vor wenigen Tagen wurden überarbeitete „Sicherheits-Regeln zum Befahren von Gewässern für das Rudern als schulische Veranstaltung“ erlassen. Dort heißt es jetzt: „Bei Wassertemperaturen unter zehn Grad Celsius ist immer eine Schwimmweste anzulegen“. – Von Paul Wagner

Quelle: Kieler Nachrichten, 30. April 2013

Gold-Rivalen ruderten gemeinsam

Kraft Schepke aus dem Deutschland-Achter von 1960 traf damaligen US-Kapitän Peter Bos wieder

Kiel. In Rom kämpften Kraft Schepke und Peter Bos gegeneinander um die Goldmedaille. Der Kieler Student Schepke in der Crew des legendären Deutschland-Achters hatte den Bug vorne und bezwang die favorisierten US-Amerikaner. Deren Kapitän war Peter Bos. 53 Jahre später trafen sich beide in Kiel. Gerudert wurde dabei auch.

Kraft Schepke (vorne) traf gestern in Kiel Peter Bos (dahinter), den Kapitän des US-Achters von 1960. Auf der Förde ruderten sie zusammen im Vierer mit Steuermann Hans-Rudolf Schröder, Christian Prey und Jörn Schepke. Foto Rebehn
Kraft Schepke (vorne) traf gestern in Kiel Peter Bos (dahinter), den Kapitän des US-Achters von 1960. Auf der Förde ruderten sie zusammen im Vierer mit Steuermann Hans-Rudolf Schröder, Christian Prey und Jörn Schepke. Foto Rebehn
Kraft Schepke und seine Frau Jutta warteten ungeduldig in der Gangway. Gerade hatte die Fähre aus Oslo festgemacht, und die ersten Passagiere strömten von Bord. Unter ihnen müsste Peter Bos sein, den Kraft Schepke vor 53 Jahren das letzte Mal bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom gesehen hatte. Wie der Amerikaner heute aussieht, wusste Schepke nicht. Beide sind sich nach den Spielen nie wieder begegnet. Als er aber einen Mann entdeckt, der einen Kopf größer ist und aus der Menge herausragt, verfliegen alle Zweifel: Dieser Riese kann nur ein Ruderer sein. Schepke liegt richtig. Der Hühne ist Peter Bos. Die beide Männer fallen sich spontan um den Hals.

Bei dieser Regatta gewinnt die Gesundheit

Rudern gegen Krebs – Das Training hat begonnen

Kiel. Böiger Wind, gekräuseltes Wasser, doch es kann losgehen. Gestern absolvierten die ersten drei Boote ihre Trainingseinheiten für die Benefizregatta „Rudern gegen Krebs“, die am 1. Juni auf der Förde ausgetragen wird. Das Besondere an dieser Regatta: Jeder kann mitmachen.

Der Doppelvierer mit (von links) Steuerfrau Julia Cuntze, Giesela Kordes, Cordula Sprenger, Klaudia Fromme-Waller und Heidemarie Spengler ist schon ein erfahrenes Team und bei der Regatta zum wiederholten Male dabei. Foto: Eisenkrätzer
Der Doppelvierer mit (von links) Steuerfrau Julia Cuntze, Giesela Kordes, Cordula Sprenger, Klaudia Fromme-Waller und Heidemarie Spengler ist schon ein erfahrenes Team und bei der Regatta zum wiederholten Male dabei. Foto: Eisenkrätzer
Es ist schon eine wackelige Angelegenheit, als Edda Asmus, Ina Meißner und Hans Berger sich in den Doppelvierer setzen und nach den Skulls greifen. Für Ina Meißner und Hans Berger ist es das erste Mal, Edda Asmus hat vor Jahrzehnten gerudert, jetzt ist sie 69 Jahre alt und hoch motiviert. Den dreien gemeinsam ist: Sie waren an Krebs erkrankt, sind in der Rehabilitation am Krebszentrum Nord des UKSH, wo sie viel Sport treiben. Fitness, Wandern, Walking, Aqua-Fitness und funktionelle Sporttherapie werden dort angeboten. „Sport und Krebs“ nennt sich das bewegungstherapeutisches Sportprogramm, das die „Stiftung Leben mit Krebs“ nicht nur in Kiel, sondern auch in anderen Städten initiiert hat. „Denn es ist nachgewiesen, dass Sport und Bewegung die Verträglichkeit der Krebsbehandlung entscheidend verbessern kann“, sagt die Kieler Projektkoordinatorin und Diplom-Sportlehrerin Stephanie Otto.

Auch Rudern gehört dazu. Und mehr noch: Jeder kann mitrudern, Vorkenntnisse bedarf es nicht, um an der inzwischen vierten Regatta „Rudern gegen Krebs“ teilzunehmen. „Ob Firmen, Vereine, Krankenkassen, öffentliche Verwaltungen oder Privatleute, wer ein Team von vier Ruderern zusammenbekommt und sich bis zum 30. April bei mir anmeldet kann mitmachen“, erklärt Stephanie Otto. Jedes Team bekommt vor dem Rennen drei Trainingseinheiten unter Anleitung erfahrener Ruderer aus den Kieler Rudersportvereinen, die das Projekt gemeinsam unterstützen und neben den Booten und den Trainern auch die Steuerleute stellen. Jede Mannschaft zahlt ein Startgeld von 250 Euro, wovon 200 Euro direkt in das Projekt „Sport und Krebs“ fließen, ausgenommen sind Schüler und onkologische Patienten – sie rudern kostenlos.

Die Mannschaft der IT-Abteilung des Friedrichsorter Motorenherstellers Caterpillar gehörte zu den ersten, die sich dieses Jahr angemeldet haben, und sie sind zum ersten Mal dabei. Drei Männer und eine Frau: Ute Martens. Die 46-Jährige hatte selber Krebs, hat im Vorjahr noch in einem Patientenboot gerudert und nach dem Wiedereintritt ins Arbeitsleben ihre Kollegen motiviert. „Es war mir eine Herzensangelegenheit, für dieses Projekt ein Firmenteam zusammenzustellen.“

Anmeldung über Stephanie Otto, Krebszentrum Nord, Arnold Heller-Straße 3, Haus 11, 24105 Kiel. Mail: stephanie.otto@krebszentrum-nord.de. Tel: 0431/597-8082 (Stephanie Otto) und 0431/566533 (Uwe Zwingmann).

Quelle: Kieler Nachrichten, 19. April 2013