Kieler Coastal Rowing Regatta

Kiel kann Coastal

Erste Kieler Coastal Rowing Regatta

Die WM-Teilnehmer um Felix Eckel haben in den vergangenen Jahren das Coastal-Fieber mit zu uns nach Kiel beim Ersten Kieler Ruder-Club gebracht. Vereinzelt sind wir mit Felix in den Trainingsbooten über die Förde gerudert, immer auf der Suche nach der ultimativen Welle auf unserer so beschaulichen Förde. Ihre Berichte haben uns neugierig gemacht und nun ist es schließlich so weit: 50 Jahre Olympia in Kiel, Coastal Rudern auf dem Weg nach Olympia – Grund genug für die 1. Coastal-Regatta in Kiel!

Bestes Sommerwetter begrüßt auf dem Regattaplatz am Strand zwischen Kiel Schilksee und Strande die zahlreichen Teilnehmer, angereist aus verschiedenen Norddeutschen Rudervereinen. Die Bandbreite der Ruderer reicht von Schnupperruderen – „ich will das einfach mal ausprobieren“ über „wir haben intensiv mit Felix trainiert“ bis hin zu den Profis vom Hamburger Coastal-Club, angereist mit eigenem Bootsmaterial.

Bestes Sommerwetter, das bedeutet in Kiel häufig strahlende Sonne und frischen Ostwind, der im Laufe des Tages weiter auffrischen soll. Waren die diesjährigen Coastal-Regatten an der Ostseeküste bisher geprägt von „Ententeich-Rudern“, so zeigt sich die Kieler Küste in bester Coastal-Manier: Der stramme Ostwind lässt vielversprechende Wellen an den Strand rollen, beste Voraussetzungen für packende Rennen.

Förde Challange

Am Samstag steht die Langstrecke auf dem Programm: 4000 Meter auf einem Rundkurs vor der Mole des Schilkseer Olympiahafens. Start und Ziel befinden sich am Strand: Ein Ruderer sprintet mit dem Startsignal zum Wasser, besteigt das Boot und das Rennen beginnt. Am Ziel umgekehrt: aus dem Boot hechten, an Land sprinten und den Buzzer betätigen.

Die Wellen fordern das volle Geschick der Ruderer: von den Einern kentern verschiedene draußen auf der Strecke (jetzt weiß man, warum wir in der Schwimmhalle das Wiedereinsteigen in das Boot geübt hat), andere boote legen sich in den letzten Wellen vor dem Strand quer und schlagen um. Auch die größeren Boote haben mitunter Probleme, den Kurs zu halten. Von den Hamburger Coastal-Ruderern lernen wir, dass die Ostseewellen kürzer sind als die der Nordsee, mit denen ihre Boote besser zurechtkommen.

Auf dem Weg durch den Hafen zum Treffpunkt mit einem Motorboot spreche ich mit einem Segler, der gerade mit seiner Jolle aus dem Wasser kommt: „Ich mache Schluss, mir wird das zu viel. Rudern? Ihr seid ja bekloppt!“ Ich erkläre ihm, dass das so gehört und überhaupt, Coastal-Rudern auf dem Weg ist, olympisch zu werden. Sein Interesse ist geweckt und er wird sich später aufmachen zu der Public-Viewing Area, wo man die Rennen bequem in der Sonne sitzend live auf einer Großbildleinwand verfolgen kann.

Draußen sind die Wellen noch heftiger, die Fahrt mit dem Motorboot gleicht einem Rodeo-Ritt. Dabei die Kamera gerade zu halten, wird zur Herausforderung. Hier draußen fühle ich mich ein wenig wie beim „Wale-Watching“: Unvermutet taucht vor uns einer der Kolosse aus dem Wellental auf, das Vorschiff hebt sich in die Luft, um kurz darauf mit einem lauten Platschen wieder, zusammen mit dem restlichen Boot in dem nächsten Wellental zu verschwinden. Die Gesichter, in die ich bei diesen Begegnungen blicke, spiegeln die volle Bandbreite der Gefühle wider: Von blankem Entsetzen, entschlossenem Siegeswillen bis hin zu strahlender Freude. Zurück an Land reichen die Reaktionen dann auch von „bin ich froh, wieder an Land zu sein!“ bis hin zu „Das macht Spaß – mehr davon!“

Im Laufe des Nachmittags nimmt der Wind weiter zu und dreht weiter auf Ost. Die Wellen werden höher und angesichts dramatischer Situationen, insbesondere beim Start am Strand, beschließt die Rennleitung schließlich, die letzten beiden Vierrennen abzusagen mit der Option, diese am nächsten Morgen vor dem planmäßigen Regattaprogramm nachzuholen.

Förde Speed Race

Am Sonntag geht es noch rasanter zu: 250 Meter vom Strand um die ausgelegten Bojen, Wende und anschließend zurück zum Stand. Durch die kurze Distanz bleibt das Feld enger beisammen und manch ein Rennen wird erst bei dem Sprint am Strand mit einem Hechtsprung zum Buzzer entschieden.

Die rauen Bedingungen fordern Tribut beim Material: Fiel am Vortag bereits ein Vierer durch eine Kollision beim Start aus, so muss heute ein weiteres Boot in die Boxen verwiesen werden. So reichen die verbleibenden Boote nicht, um die letzten Rennen wie geplant stattfinden zu lassen. Sie müssen geteilt und in zwei Durchgängen absolviert werden. Glücklicherweise bleibt es bei Bootsblessuren, die Aktiven müssen sich nach den Rennen lediglich trockenlegen.

Mit der Siegerehrung geht ein ereignisreiches Wochenende zu Ende. Dank an Bernd und sein Orga-Team, welches in mühevoller dieses perfekt organisiert und über die Bühne gebracht hat. Ganz besonderer Dank an die Starthelfer, die gefühlt den ganzen Tag im kalten Wasser stehend die Boote bereitgehalten haben, bis die Startläufer ihren Platz eingenommen haben. Zwischendurch nur Zeit, sich im kalten Ostwind ein paar warme Gedanken zu machen.

Kiel kann Coastal! Fortsetzung sehr wahrscheinlich!

PS: Zum Schluss noch ein paar Fragen an:

  • Die Bugleute, besonders im Vierer: Wie ist es, gefühlt die Hälfte der Zeit in der Luft zu rudern? Etwa wie Luftgitarre spielen? Und leidet die Technik nicht darunter?
  • Die Steuerleute: Warum seid ihr nicht einfach geradeaus gefahren? Wäre kürzer gewesen!
  • Alle Ruderer: Panik oder Pleasure?
  • Die Bootsbauer: Wann kommen gefederte Rollsitze, die diesen Sport deutlich rückenschonender machen würden?

Text und Fotos: Hans-Martin Hörcher, Erster Kieler Ruder-Club von 1862
Weitere beeindruckende Bilder von Hans-Martin Hörcher unter ekrc.de

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